Beratungsstellen & Selbsthilfegruppen bei Demenz – Unterstützung für Angehörige
Laura bemerkt, wie ihre Mutter immer öfter wichtige Dinge vergisst. Konrad muss mit ansehen, wie seine Ehefrau plötzlich keine Lust mehr auf ihre gemeinsamen Hobbies hat. Peter ist verunsichert, weil sein langjähriger Freund ihn nicht mehr immer erkennt. Der Moment, in dem sich das Verhalten eines geliebten Menschen verändert, ist oft überfordernd. Sie müssen diese Situation als Angehörige:r oder nahestehende Person nicht alleine bewältigen. Zahlreiche Demenz-Beratungsstellen stehen Ihnen als Angehörige:r zur Seite.
In diesem Beitrag erfahren Sie, auf welche Unterstützung Angehörige und Betroffene zählen können und welche konkreten Angebote es gibt – von Beratungsstellen über Selbsthilfegruppen bis hin zu Hotlines.
Warum Unterstützung für Angehörige so wichtig ist
Viele pflegende Angehörige stehen unter enormem Druck. Die Betreuung eines geliebten Menschen mit Demenz ist sowohl emotional als auch körperlich und zeitlich anspruchsvoll. Angehörige erleben Scham, Trauer, Stress und nicht selten soziale Isolation. Frühzeitige Hilfe schützt vor Überforderung und Isolation.
Vielen Angehörigen fällt es zunächst schwer, Hilfe anzunehmen. Häufig überwiegt das Gefühl, versagt zu haben, wenn sie über externe Unterstützung nachdenken. Doch das Gegenteil ist der Fall: Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche – es zeugt von Verantwortung für sich selbst und den geliebten Menschen.
Leben mit MCI & Demenz – Cogthera Newsletter
Im Cogthera Newsletter erhalten Sie regelmäßig praktische Tipps zu Prävention, Diagnose und Therapieformen – direkt in Ihr E-Mail-Postfach.
Demenz -Beratungsstellen: Erste Anlaufpunkte für Angehörige und nahestehende Personen
Einen guten ersten Schritt bieten professionelle Demenz-Beratungsstellen. Sie liefern Orientierung, fachliche Informationen und vor allem ein offenes Ohr für Ihre Sorgen. In Deutschland gibt es eine Reihe von Anlaufstellen, die speziell Angehörigen von Demenzkranken weiterhelfen – kostenlos und oft schon bei den ersten Anzeichen. Hier einige wichtige Angebote:
Alzheimer-Telefon (Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.)
Unter der Nummer 030 – 259 37 95 14 beraten geschulte Sozialarbeiter:innen bundesweit am Telefon. Das Alzheimer-Telefon bietet Informationen, ein offenes Ohr und auf Wunsch auch anonyme Beratung. Wer unsicher ist, kann hier einfach anrufen und bekommt emotionale Unterstützung.
Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums
Eine weitere hilfreiche Anlaufstelle ist das Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums. Unter der Nummer 030 201 791 31 stehen Ihnen Ansprechpartner:innen Ihnen bei allen Fragen rund um Pflege und Betreuung zur Seite stehen.
Kommunale Pflegestützpunkte
Pflegestützpunkte sind wohnortnahe Beratungsstellen, die von Pflege- und Krankenkassen auf Initiative der Bundesländer eingerichtet werden. Ihre Beratung ist neutral und für Sie als Angehörige:r kostenlos. Dort erhalten Sie umfassende Informationen zu allen Fragen rund um Pflege und Betreuung. So unterstützen Sie beispielsweise beim Antrag auf einen Pflegegrad oder beraten zu finanziellen Hilfen. Unter diesem Link finden Sie Demenz Beratungsstellen in Ihrer Nähe.
Wohlfahrtsverbände (Caritas, Diakonie, DRK)
Auch große Sozialorganisationen bieten Demenz-Beratungsstellen und Unterstützungsangebote für Angehörige an. Beispielsweise ein persönliches Gespräch bei einer Caritas- oder Diakonie-Beratungsstelle. Expert:innen liefern Tipps für den Alltag mit Demenz und helfen bei organisatorischen Fragen. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bietet vielerorts ebenfalls Beratung, Schulungen für pflegende Angehörige und sogar spezielle Kurse (wie Pflegekurse oder Demenzkurse).
Pflegeberatung der Krankenkassen
Sobald eine Demenz diagnostiziert ist oder erste Pflegebedürftigkeit vorliegt, haben Sie Anspruch auf eine Pflegeberatung über die Pflegekasse Ihrer Krankenkasse. Viele Kassen haben eigene Demenz-Beratungsstellen oder beauftragen Pflegedienste mit der Beratung. Eine Pflegeberater:in kann Sie individuell beraten – oft sogar bei Ihnen zu Hause. Dabei geht es um Fragen wie: Welche Leistungen stehen demenziell Erkrankten zu? Wie beantragt man einen Pflegegrad? Welche Entlastungsmöglichkeiten gibt es (z.B. Tagespflege, Kurzzeitpflege)? Die Beratung der Kasse ist für Versicherte ebenfalls kostenlos und soll Angehörigen helfen, die Versorgung optimal zu organisieren. Zögern Sie nicht, bei Ihrer Krankenkasse nach einem Beratungstermin zu fragen.
Regionale Selbsthilfegruppen & Gesprächskreise
Neben professioneller Beratung kann auch der Austausch mit anderen Angehörigen und nahestehenden Personen von Demenz Betroffenen enorm hilfreich sein. In Selbsthilfegruppen treffen Sie auf Menschen, die in einer ähnlichen Lage sind. Der Austausch mit anderen in ähnlicher Situation wirkt oft unterstützend, entlastend und ermutigend.
Hier erhalten Sie nicht nur emotionale Unterstützung, sondern auch praktische Tipps und Ratschläge im Umgang mit der Demenz im Alltag. Gemeinsam entwickeln Angehörige dort Strategien für das Leben mit der Krankheit. Über die Deutsche Alzheimer Gesellschaft können Sie eine Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe finden.
Falls Sie in einer ländlichen Region wohnen oder es vor Ort (noch) keine Gruppe gibt, müssen Sie nicht verzichten: Im Internet gibt es Online-Selbsthilfeangebote. In speziellen Foren (wie z.B. dem Wegweiser Demenz Forum vom Bundesfamilienministerium) oder geschlossenen sozialen Medien-Gruppen können Sie sich mit anderen pflegenden Angehörigen austauschen. Weitere Infos finden Sie unter: https://www.wegweiser-demenz.de/wwd/alltag-und-pflege/beratung/selbsthilfegruppen
Was passiert bei einer Demenz-Beratung?
- Offenes Gespräch: Sie schildern Ihre Situation – Veränderungen, Sorgen, Belastungen.
- Individuelle Infos & Tipps: Erklärungen zur Diagnose, zum Krankheitsverlauf und zu Alltagsstrategien (z. B. Gedächtnislücken, Stimmungsschwankungen, herausforderndes Verhalten).
- Recht & Finanzen: Beratung zu Vorsorgevollmacht, Pflegeleistungen, Entlastungsangeboten.
- Unterstützungsplanung: Empfehlungen zu passenden Hilfen vor Ort (Pflegedienste, Tagespflege, Entlastungsdienste), inkl. Adressen, Telefonnummern und Hilfe bei Anträgen.
- Schulungen & Kurse: Hintergrundwissen und praktische Übungen für Angehörige.
Hilfe in Anspruch nehmen: Tipps
Der Entschluss, Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist oft der schwerste. Folgende Tipps erleichtern den Einstieg:
- Keine Scheu: Haben Sie keine Angst, eine Beratungsstelle zu kontaktieren. Sie gehen damit keine Verpflichtungen ein. Die Beratung ist kostenlos und auf Wunsch anonym, z.B. können Sie beim Alzheimer-Telefon sogar ohne Namensnennung sprechen. Alles, was Sie schildern, unterliegt der Schweigepflicht. Sie behalten jederzeit die Kontrolle über die nächsten Schritte.
- Fragen notieren: Überlegen Sie sich vor dem Gespräch, was Sie am meisten belastet und welche Fragen Sie stellen möchten. Schreiben Sie sich Ihre wichtigsten Fragen auf – zum Beispiel “Wie beantrage ich Pflegegeld?” oder “Worauf muss ich im Alltag mit Demenz achten?”. Selbst wenn Sie unvorbereitet in die Beratung gehen, ist das kein Problem – die Fachleute helfen Ihnen, Ihre Anliegen zu strukturieren.
- Begleitung mitnehmen: Scheuen Sie sich nicht, eine vertraute Person zum Termin mitzunehmen – sei es ein:e Freund:in oder ein weiteres Familienmitglied. Zu zweit fühlt man sich oft sicherer. Außerdem kann die Begleitperson zusätzliche Fragen stellen oder sich Informationen merken, falls Sie selbst aufgeregt sind. Gemeinsam fällt es leichter, das Besprochene im Anschluss umzusetzen.
- Keine Scham: Machen Sie sich bewusst, dass Hilfe anzunehmen kein Versagen ist, sondern klug und verantwortungsvoll. Niemand ist darauf vorbereitet, eine Demenzerkrankung alleine zu bewältigen. Beratung anzunehmen zeigt vielmehr, dass Sie aktiv für sich und Ihren Angehörigen sorgen. Viele andere Angehörige haben diesen Schritt bereits getan und berichten, dass ihre Situation mit Unterstützung besser zu meistern ist – lassen Sie sich also nicht von falschem Stolz abhalten.
- Kleine Schritte wagen: Sie müssen nicht sofort alles auf einmal regeln. Beginnen Sie vielleicht damit, einen Anruf beim Alzheimer-Telefon zu tätigen oder einen Angehörigen-Selbsthilfegruppe in Ihrer Nähe auszuprobieren. Jede noch so kleine Unterstützung kann eine große Erleichterung bringen. Wichtig ist nur, dass Sie den ersten Schritt tun – alles Weitere ergibt sich dann fast von selbst.
Unterstützung und Hilfsangebote: Demenz-Beratungsstellen
Die ersten Anzeichen von Demenz oder Alzheimer bei einem geliebten Menschen zu erleben, ist für Angehörige eine große Herausforderung. Doch Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen. Unterstützung für Angehörige von Demenzkranken gibt es in vielfältiger Form – von einfühlsamer Beratung über praktische Entlastungsangebote bis zum Austausch in einer Selbsthilfegruppe.
Übersicht: Wichtige Demenz Beratungsstellen für Angehörige
| Anlaufstelle | Telefonnummer | Angebot | Link |
| Alzheimer-Telefon (Deutsche Alzheimer Gesellschaft) | 030 – 259 37 95 14 | Telefonische Beratung, Informationen zu Demenz, anonyme Unterstützung | https://www.deutsche-alzheimer.de/alzheimer-telefon |
| Pflegetelefon (Bundesfamilienministerium) | 030 201 791 31 | Erstberatung zu Pflege, Vermittlung regionaler Hilfe, anonym & kostenlos | https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/aeltere-menschen/… |
| Kommunale Pflegestützpunkte | Variiert regional | Pflegeberatung vor Ort, Hilfe bei Anträgen, Orientierung zu Leistungen | https://www.zqp.de/beratung-pflege/ |
| Wohlfahrtsverbände (Caritas, Diakonie, DRK) | Lokal unterschiedlich | Persönliche Gespräche, Schulungen, Entlastungs- und Betreuungsangebote | https://www.caritas.de / https://www.diakonie.de / https://www.drk.de |
| Pflegeberatung der Krankenkassen | Je nach Krankenkasse | Individuelle Pflegeberatung, oft zu Hause, Unterstützung bei Anträgen | Je nach Krankenkasse |
