Podcast: „45 % der Risikofaktoren für Demenz hängen nicht mit der Genetik zusammen, sondern sind Umweltfaktoren.“

Im Gespräch mit Prof. Dr. Jürgen Herzog, Chefarzt im Fachzentrum für Neurologische Rehabilitation und Frührehabilitation: Seit über 15 Jahren ist er an der Schön Klinik München tätig, dort leitet er als Ärztlicher Direktor das neurologische Fachkrankenhaus. Zudem ist er seit sieben Jahren Chefarzt der Tagesklinik für Demenz sowie der Ambulanz für kognitive Störungen. 

Wir, Leticia und Julia, Medizinstudentinnen an der LMU und TU München und Teil des Marketingteams von Cogthera, führen Sie heute durch das Interview.

Hier hören Sie das vollständige Interview:

Was ist eine Demenz – und wie unterscheidet sie sich von der Alzheimer  Erkrankung?  

Demenz ist ein Überbegriff für Erkrankungen, bei denen kognitive Fähigkeiten wie  Gedächtnis, Orientierung, Planen oder Konzentration über mindestens sechs Monate  hinweg deutlich beeinträchtigt sind – oft verbunden mit Verhaltensauffälligkeiten und  Einschränkungen im Alltag. Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz und wird durch  typische krankhafte Eiweißablagerungen im Gehirn verursacht, die zum Absterben von  Nervenzellen und damit zu einem fortschreitenden Verlust von Hirnfunktionen führen.

Handelt es sich schon um Alzheimer – oder ist das normale Vergesslichkeit?

Demenz ist ein Überbegriff für Erkrankungen, bei denen kognitive Fähigkeiten wie Gedächtnis, Orientierung, Planen oder Konzentration über mindestens sechs Monate hinweg deutlich beeinträchtigt sind – oft verbunden mit Verhaltensauffälligkeiten und Einschränkungen im Alltag. Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz und wird durch typische krankhafte Eiweißablagerungen im Gehirn verursacht, die zum Absterben von Nervenzellen und damit zu einem fortschreitenden Verlust von Hirnfunktionen führen.

Welche Stadien gibt es?

Die Alzheimer-Erkrankung ist eine langsam fortschreitende Krankheit, bei der sich die Symptome über viele Jahre hinweg verschlimmern können. Während manche Betroffene schon nach wenigen Jahren stärker eingeschränkt sind, leben andere über ein Jahrzehnt mit nur leichten Unterstützungsbedarfen im Alltag. Zur Orientierung unterscheidet man drei Stadien – leichte, mittelschwere und schwere Demenz –, die mithilfe neuropsychologischer Tests erfasst werden. So können Ärztinnen und Ärzte den Verlauf genau dokumentieren und die Behandlung individuell anpassen.

Welche Symptome sind am Anfang zu erwarten?

Zu Beginn klagen viele Betroffene über eine zunehmende Vergesslichkeit,  Schwierigkeiten beim Finden einzelner Wörter oder Probleme mit der Orientierung – vor allem in ungewohnter Umgebung. Auch das Vergessen von Terminen oder alltäglichen Absprachen ist typisch. Diese Anzeichen können schwanken und sind individuell sehr unterschiedlich ausgeprägt.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Am Anfang steht immer ein ausführliches Gespräch mit einer Fachärztin oder einem  Facharzt sowie eine körperliche und neurologische Untersuchung, da manche  Demenzformen auch mit körperlichen Beschwerden einhergehen können. Ergänzend werden Blutwerte überprüft, etwa zur Abklärung von Vitaminmangel oder  Schilddrüsenstörungen. Anschließend folgt eine neuropsychologische Testung, die von kurzen Screenings bis hin zu intensiven Tests von bis zu zwei Stunden reicht.  Bildgebende Verfahren wie MRT oder CT sowie in besonderen Fällen  Liquoruntersuchungen oder PET-Scans helfen, die genaue Ursache und Form der  Demenz einzugrenzen.

 Können auch andere Ursachen hinter der Vergesslichkeit stecken – und sind diese reversibel?

Neben Alzheimer gibt es weitere Ursachen für Gedächtnisprobleme. Häufig sind Durchblutungsstörungen des Gehirns verantwortlich – entweder plötzlich nach Schlaganfällen oder schleichend über Monate und Jahre hinweg. Auch andere Erkrankungen wie Depressionen oder eine Schilddrüsenunterfunktion können ähnliche Symptome verursachen. Je nach Ursache können die Beschwerden teilweise behandelt oder sogar rückgängig gemacht werden.

 Welche medikamentösen Optionen gibt es – und was bewirken sie? 

Seit vielen Jahren stehen zwei Wirkstoffgruppen zur Verfügung: Cholinesterasehemmer  und Memantine, die den Botenstoffhaushalt im Gehirn beeinflussen und die geistige Leistungsfähigkeit für eine begrenzte Zeit verbessern können. Auch pflanzliche Präparate wie Ginkgo biloba haben eine leichte, unterstützende Wirkung. Neu hinzugekommen sind Antikörpertherapien, die seit 2021 bereits in den USA zugelassen sind und bei uns voraussichtlich ab Ende dieses Jahres verfügbar sein werden. Sie werden in frühen Krankheitsstadien eingesetzt, bauen krankhafte Eiweißablagerungen im Gehirn ab und können den Verlauf um etwa 30 % verlangsamen – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen und mit engmaschiger Betreuung.

 Welche nicht medikamentösen Optionen gibt es – und was bewirken sie?

Ziel aller nicht-medikamentösen Ansätze ist es, vorhandene Fähigkeiten so lange wie  möglich zu erhalten. Dazu gehören feste Tagesstrukturen und ein Alltag, der den  Betroffenen Sicherheit und Wohlbefinden bietet. Wichtig ist außerdem eine möglichst  stressfreie und stabile Lebenssituation – sei es durch reduzierte Arbeitszeiten oder ein ruhigeres Wohnumfeld. Ergänzend helfen spezielle Programme wie MAKS, bei denen motorische und kognitive Fähigkeiten regelmäßig trainiert werden. Studien zeigen, dass solche Übungen die geistige Leistungsfähigkeit über Monate stabilisieren können.

 Wie können Angehörige unterstützen? 

Über 80 % der Menschen mit Demenz werden zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt  – eine sehr wertvolle, aber auch herausfordernde Aufgabe. Niemand sollte dabei alleine bleiben: Unterstützung durch Ärzt:innen, Therapeut:innen, Sozialdienste oder auch technische Hilfen wie Apps kann den Alltag spürbar erleichtern. Wichtig ist außerdem, zu verstehen, dass der Umgang mit Demenz nicht nach den üblichen Regeln des „gesunden Menschenverstandes“ funktioniert – zum Beispiel, wenn Fragen ständig wiederholt werden oder provokative Situationen entstehen. Angehörigengruppen und spezielle Schulungen an größeren Versorgungszentren geben hier praktische Strategien, Austausch und Entlastung. So können Angehörige nicht nur besser für die Betroffenen da sein, sondern auch ihre eigenen Ressourcen schützen.

 Was kann ich selbst tun, um das Fortschreiten zu verlangsamen?

Über 80 % der Menschen mit Demenz werden zu Hause von ihren Angehörigen gepflegt  – eine sehr wertvolle, aber auch herausfordernde Aufgabe. Niemand sollte dabei alleine bleiben: Unterstützung durch Ärzt:innen, Therapeut:innen, Sozialdienste oder auch technische Hilfen wie Apps kann den Alltag spürbar erleichtern. Wichtig ist außerdem, zu verstehen, dass der Umgang mit Demenz nicht nach den üblichen Regeln des „gesunden Menschenverstandes“ funktioniert – zum Beispiel, wenn Fragen ständig wiederholt werden oder provokative Situationen entstehen. Angehörigengruppen und spezielle Schulungen an größeren Versorgungszentren geben hier praktische Strategien, Austausch und Entlastung. So können Angehörige nicht nur besser für die Betroffenen da sein, sondern auch ihre eigenen Ressourcen schützen.

 Was kann ich selbst tun, um das Fortschreiten zu verlangsamen?

Vorbeugung und Einflussmöglichkeiten beginnen viel früher, als man oft denkt. Rund 45  % der Risikofaktoren für Demenz hängen nicht mit der Genetik zusammen, sondern sind Umweltfaktoren – und damit potenziell beeinflussbar. Schon in jungen Jahren spielt Bildung eine Rolle: eine längere Schulzeit oder eine gute Ausbildung senken das Risiko deutlich. In der Lebensmitte (etwa zwischen 25 und 60 Jahren) sind ein gesunder Lebensstil und die Behandlung von Risikofaktoren entscheidend – Bluthochdruck einstellen, auf mäßigen Alkoholkonsum achten und allgemein Faktoren vermeiden, die den Stoffwechsel des Gehirns belasten. 

Auch wenn eine Demenz bereits eingetreten ist, kann man selbst viel tun: Regelmäßige Bewegung, geistige Aktivität und vor allem der Erhalt sozialer Kontakte wirken sich positiv auf den Krankheitsverlauf aus und helfen, das Fortschreiten der Symptome zu verlangsamen.

Bleiben Sie geistig fit – mit unserem Newsletter

Mit dem Cogthera Newsletter erhalten Sie regelmäßig praktische Tipps und fundierte Informationen rund um Prävention und Früherkennung von Gedächtnisverlust – direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Ähnliche Beiträge